Unser Institut

Geschichtliche Aspekte über das Anatomische Institut Leipzig

Die Universität Leipzig wurde im Jahr 1409 gegründet. Der Medizin kam zu dieser Zeit noch keine große Bedeutung zu. Wenige Studenten hatten sich für das Fach Medizin eingeschrieben. 1542 wurde ein Chirurg verpflichtet, den anatomischen Unterricht zu erteilen. Seine Aufgabe bestand darin, aus Lehrbüchern vorzulesen. Das erste Anatomische Theater konnte 1704 in den Räumen des Paulinerklosters eröffnet werden. Dieses stand auf dem heutigen Augustusplatz. Es fanden nur wenige anatomische Sektionen im Jahr statt, Veranstaltungen zu denen auch Apotheker, Hebammen und Ärzte der Stadt eingeladen waren.

Paulinerkirche

Paulinum, Augustusplatz

Bald gab es Überlegungen der Stadt, das Institut außerhalb der damaligen Innenstadt zu bauen. Wahrscheinlich fühlten sich die in der Nähe wohnenden Bürger belästigt, denn es gab noch keine Möglichkeit, Präparate zu konservieren und die hygienischen Bedingungen waren nicht optimal.

Paulineum

Paulinum, Augustusplatz heute

Auf dem Areal der heutigen Liebigstraße entstand 1874 der lange geplante Neubau der Anatomie. Wilhelm His als Direktor hatte maßgeblichen Anteil an der Gestaltung eines der modernsten Anatomischen Institute in Deutschland. Das Fachgebiet hatte sich enorm entwickelt, Embryologie und mikroskopische Anatomie waren fester Bestandteil des Studiums.

Nach dem Tod von His übernahm Carl Rabl das Direktorat, das er bis 1917 innehatte. Er modernisierte das Haus, um neuen Anforderungen gerecht zu werden. Es wurde ein großer Mikroskopiersaal auf das bestehende Institut gebaut, der durch seine großen Glasfenster für genügend Tageslicht sorgte, um den Studenten Mikroskopierübungen zu ermöglichen. Auf Rabl folgten Hans Held und Max Clara als Ordinarien für Anatomie.

Während des Direktorates von Adolf Dabelow erfolgte in der Nacht zum 4.12.1943 ein schwerer Luftangriff auf Leipzig. Bombeneinschläge trafen das Medizinische Viertel. Das Anatomische Institut wurde schwer geschädigt und durch Brand fast vollständig zerstört. Die Grundlagen für Ausbildung und Forschung, die wertvolle, sehr umfangreiche Anatomische Sammlung und die Bibliothek waren vernichtet. Dennoch wurde die Anatomieausbildung mit viel Engagement der Lehrenden aufrechterhalten.

Ab 1947 leitete Kurt Alverdes das Institut. Ein Neubau des Hauses an gleicher Stelle wurde genehmigt. 1953 konnten die ersten Studenten den großen Hörsaal nutzen. Seine Architektur ähnelt dem eines historischen Anatomischen Theaters. Er bot Plätze für über 500 Studierende, denn die Studentenzahlen stiegen stetig an. 1953 wurden z. B. 683 Medizinstudenten immatrikuliert. Das Haupthaus mit seinen großzügigen Arbeitsräumen bezogen die Mitarbeiter 1956.

Rolf Bertolini und Gerald Leutert prägten als Direktoren die DDR-Ära. Sie gaben dem Institut eine moderne wissenschaftliche Ausrichtung, die sich in spezialisierten Forschungsgruppen widerspiegelte.

Unter der Institutsleitung von Katharina Spanel-Borowski konnte der komplette Lehrtrakt 2004 vollständig saniert übergeben werden, und es gelang wissenschaftlich der Anschluss an internationale Standards.

Heute studieren jährlich über 400 Human- und Zahnmedizinstudenten unter optimalen Bedingungen den Aufbau des menschlichen Körpers in der Anatomie. Eine Vielzahl von Studierenden erarbeiten in den Laboren des Instituts ihre Doktorarbeiten.